25. Juni 2019

5G versus WiFi-6-WLAN: Wer wird Campus und Indoor versorgen?

Bald können deutsche Firmen lokale 5G-Frequenzen für Private 5G-Netze beantragen. Doch das Interesse ist laut einer Bitkom-Umfrage erstaunlich gering. Die meisten wollen beim WLAN bleiben.

Nach 2G, 3G, 4G steht nun 5G vor der Tür, die 5te Generation des Mobilfunks. Die Frequenz-Würfel sind schon mal gefallen: Am 12. Juni 2019 ist die Versteigerung der 5G-verdächtigen Frequenzen von 3400 bis 3700 MHz sowie rund um 2 GHz für die bundesweite Nutzung zu Ende gegangen. Insgesamt wurden in diesen Bändern 420 MHz für 6,5 Milliarden an die vier Netzbetreiber Drillisch Netz AG, Telefónica Deutschland GmbH & Co. OHG, Telekom Deutschland GmbH und Vodafone GmbH versteigert. Es war ein zähes Ringen: 497 Auktionsrunden in 52 Tage – die längste Frequenz-Versteigerung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Bundesweite 5G-Netze von 3400 bis 3700 MHz

„Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland. Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten. Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden. Es liegt nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen“, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur am 12. Juni 2019.

Der Bitkom Verband fasst die Versprechungen von 5G zusammen
(Bildquelle: Bitkom)

 

Mit dem zermürbenden Auktions-Gerangel hat der deutsche 5G-Hype vielleicht schon seinen Höhepunkt überschritten. Trotzdem zweifelt kaum jemand daran, dass Deutschland eine gute 5G-Versorgung braucht, vor allem für mobile Outdoor-Szenarien wie etwa selbstfahrende Automobile. So viel erst mal zum öffentlichen, bundesweiten 5G.

Lokale 5G-Netze von 3700 bis 3800 MHz

Nach dem Abschluss der bundesweiten 5G-Auktion will die Bundesnetzagentur im zweiten Halbjahr 2019 noch weitere 100 MHz Bandbreite im Bereich von 3700 bis 3800 MHz nach entsprechenden Anträgen für den Aufbau lokaler 5G-Netze vergeben. Und zwar zum Kosten-Deckungs-Prinzip, also nicht per Auktion gegen Höchstgebote.

Eignung für Hallen und Werksgelände

Just diese lokalen Frequenzen von 3700 bis 3800 MHz zielen auf lokale Anwendungen, etwa in Hallen und auf Werksgeländen. Zum Vergleich: Das ebenfalls lokal orientierte WLAN funkt bekanntlich bei 2,4 und bei 5 GHz: Dabei funkt 2,4 GHz etwas weiter, 5 GHz etwas schneller.

100% aller befragten Industriefirmen ab 50 Mitarbeitern haben von 5G gehört (Bildquelle: Bitkom)

 

Öffentliches 5G als Reserve bei DSL-Ausfall

Dass der öffentliche 5G-Funk als Fallback-Notreserve für defekte DSL- und Glasfaser-Leitungen bei Firmen zum Einsatz kommen wird, steht außer Zweifel. Das war und ist auch schon mit 3G und mit 4G der Fall. Ein guter 3G-4G-5G-Router, direkt am Fenster oder auf dem Dach, kann zur Not auch einen hausinternen WLAN-Hotspot mit Internet bespielen.

Dass öffentliches (!) 5G aber auch von außen durch dicke Mauern erfolgreich direkt in die ganze Firma hinein strahlen wird, ist eher unwahrscheinlich, denn die typischen 5G-Pionier-Frequenzen von 3400 bis 3700 MHz kommen nun mal extrem schlecht durch Mauern, Metall-bedampfte Isolier-Scheiben und ähnlich Funk-dämpfende Materialien hindurch.

Zum Vergleich: 4G-LTE-800 bei 800 MHz wird eher für die große Flächendeckung eingesetzt, 4G-LTE-2600 bei 2600 MHz dagegen für kleinere Funk-Zellen, etwa für dichte Innenstädte: Je höher die Frequenzen, desto kürzer die Reichweiten, besonders in Umgebungen mit starken Funk-Hindernissen.

Private 5G-Netze im Campus-Bereich

Bleibt also noch die Frage, ob Firmen-eigene 5G-Sender innerhalb der eigenen Gebäude das bewährte WiFi-5 sowie das neue WiFi-6 verdrängen könnten? Dazu haben wir Meinungen von Aruba und vom ITK-Branchenverband Bitkom eingefangen.

Zuvor aber noch eine eigene Überlegung: Lokale 5G-Nutzer, etwa Firmen, Institute oder Behörden, können maximal 100 MHz für ihren Campus bei der Bundesnetzagentur beantragen. Zum Vergleich: Ein einziger WLAN-Kanal bei einem WiFi-6-Access-Point kann bis zu 160 MHz breit sein. Und sogar ein aktueller Laptop mit einem Intel Dual Band Wireless-AC 9560 WLAN-Modul beherrscht schon bis zu 160 MHz Bandbreite. Das heißt, mit nur 100 MHz Gesamtbandbreite für ein Privates 5G-Netz kann eine Firma keine allzu großen Sprünge machen.

Nur jeweils 3% der befragten Firmen ab 50 Mitarbeiter planen oder diskutieren ein privates 5G-Netz mit einer lokalen 5G-Frequenz (Bildquelle: Bitkom)

 

Bitkom beklagt mangelndes 5G-Interesse

Der ITK-Branchenverband Bitkom hat am 15. Mai 2019 eine Studie vorgestellt, bei der über 500 Industriefirmen in Deutschland zu 5G befragt wurden: „Für den Industriestandort Deutschland ist 5G eine Schlüsseltechnologie“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Sehr hohe Geschwindigkeiten und ultrakurze Reaktionszeiten sind die Basis für die smarte Fabrik. Die deutsche Industrie bekommt mit 5G einen enormen Schub.“

Umso erstaunlicher sei es für den Bitkom, dass die 5G-Versorgung für 55 Prozent der Industrieunternehmen momentan noch kein Thema ist. „Die Bundesnetzagentur hat Frequenzbereiche für die lokale 5G-Nutzung reserviert. Wenn kaum ein Unternehmen davon Gebrauch machen will, liegen diese Frequenzblöcke ungenutzt brach. Wer sich jetzt nicht mit 5G beschäftigt, riskiert das Geschäft von morgen,“ sagt Achim Berg.

Bei der Indoor-Funkvernetzung scheint WLAN auch im 5G-Zeitalter der absolute Favorit zu bleiben (Bildquelle: Bitkom)

 

Überhöhte Wahrnehmung der 5G-Möglichkeiten

Dagegen stellte Axel Simon, Chief Technologist bei Aruba, schon in unserer Story vom 3. Mai 2019 fest, dass es „in Deutschland derzeit eine überhöhte Wahrnehmung der Möglichkeiten von 5G gibt. Allerdings haben schon 3G und 4G angekündigt, WLAN überflüssig zu machen und dieses Versprechen nicht eingelöst. Hier sind sowohl Politik als auch die Anbieter aufgefordert, realistisch zu argumentieren und nicht ein Strohfeuer zu entfachen.

Am Ende ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich ähnlich gestaltet, wie in der Vergangenheit: Mobilfunk wird im Außenbereich eine große Rolle spielen, wohingegen WLAN seine Rolle sowohl Inhouse als auch in hochfrequentierten Umgebungen ausbauen wird – da es ja hier nicht nur auf Konnektivität, sondern auch auf die lokationsbasierten Dienste ankommt,“ erklärte Axel Simon von Aruba bereits in unserer gesonderten Story: 5G-Mobilfunk versus WiFi-6-WLAN.

 

Bildquelle Beitragsbild: Adobe Stock

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